Kostenerstattungsverfahren

Was ist das Kostenerstattungsverfahren in der Psychotherapie?

Kostenerstattung ist eine Möglichkeit der Abrechnung von Therapiesitzungen bei Psychotherapeuten, die keine Kassenzulassung haben.

In Deutschland haben Sie einen Anspruch auf Behandlung, der durch die gesetzliche Krankenversicherung abgedeckt ist. Wenn es keinen freien Therapieplatz bei kassenzugelassenen Therapeuten gibt, können Sie sich auch bei Psychotherapeuten ohne Kassenzulassung behandeln lassen. Voraussetzung ist die gleiche Qualifikation  (Approbation zum Psychologischen Psychotherapeuten und Ausbildung in einem Richtlinienverfahren, wie z.B. Verhaltenstherapie).

Ihre Krankenkasse ist verpflichtet, die entstandenen Kosten zu erstatten, wenn Sie 5 niedergelassene Therapeuten angefragt haben und diese Ihnen eine Wartezeit von über 3 Monaten genannt haben. Dies gilt per Gesetz als unzumutbar (SGB V §13). Um eine Therapie zu beginnen, stellen Sie einen Antrag bei Ihrer Kasse auf Kostenerstattung der Sitzungen. Stimmt die Kasse dem Kostenerstattungs­verfahren zu, kann die Behandlung beginnen. Sie bekommen dann eine Rechnung für die psychotherapeutischen Leistungen vom Therapeuten selbst und bekommen diese Kosten dann von Ihrer Kasse zurückerstattet.

Detailliertere  Information: http://www.psychotherapeutenkammer-berlin.de/show/5440274.html?searchshow=kostenerstattung

Wie funktioniert das Kostenerstattungsverfahren genau?

1. Schritt: Sprechstunde bei einer/m niedergelassenen Kollegenin aufsuchen

Alle niedergelassenen Psychotherapeuten müssen seit 1.4.2017 Sprechstunden anbieten. Das ist noch kein Psychotherapieplatz, sondern dient erst mal nur der Feststellung einer Diagnose und Ihres Bedarfs an Psychotherapie (ambulant, stationär). Die Psychotherapeutin stellt darüber ein Formular aus.

2. Schritt: Psychotherapie- Ablehnungen dokumentieren

Sie telefonieren niedergelassene Therapeuten ab, ob diese einen Platz frei haben. Dokumentieren Sie Ihre bisherigen Telefonate mit den kassenzugelassenen Psychotherapeuten (mindestens 5, besser 7)  die bisher keine Kapazität für Sie hatten (Name, Datum und Dauer der genannten Wartezeit bzw. Ergebnis der Telefonate).

3. Schritt: Erstgespräch mit mir (auch schon früher möglich!)

Wir treffen uns zu einem Erstgespräch und lernen uns kennen. Ich kann mir  einen Einblick darüber verschaffen, wie Art und Umfang der Behandlung beschaffen sein sollte, um Ihnen möglichst gut zu helfen. Sie können alle Fragen stellen, die Sie bewegen.

Außerdem können wir die weiteren Modalitäten mit ihrer Krankenkasse besprechen. (Welche Unterlagen sind erforderlich, wo brauchen Sie noch Unterstützung, welche Vorlagen kann ich Ihnen noch geben) Das Gespräch dient auch für mich zur Erstellung eines gemeinsamen Antrags auf Kostenerstattung einer ambulanten Psychotherapie.

4. Schritt: Notwendigkeitsbescheinigung

Dies erfordert einen Besuch bei Ihrem Hausarzt oder Psychiater/Nervenarzt. Bitten Sie Ihren Arzt darum, dass er Ihnen in einer kurzen schriftlichen Stellungnahme die Notwendigkeit/Dringlichkeit einer psychotherapeutischen Behandlung bescheinigt. (Vorlage bei mir erhältlich)

5. Schritt: Psychotherapieantrag stellen

Wenn alle Unterlagen beisammen sind, stellen wir einen formlosen schriftlichen „Antrag auf Kostenerstattung für Psychotherapie“, in dem Sie darauf verweisen, dass zur Zeit in Ihrer Nähe kein Psychotherapiebeginn möglich ist, aber in meiner Praxis die Behandlung sofort beginnen kann. (Eine Vorlage dafür können Sie von mir erhalten.) Alle Unterlagen schicken Sie zu Ihrer Kasse.

Die Krankenkasse wird Ihnen dann mitteilen, ob probatorische Sitzungen (5 Probesitzungen) stattfinden können. Dies kann je nach Vorgehen der Kasse sofort oder bis zu 5 Wochen dauern. In der Regel wird dann auch die Therapie bewilligt.

Nach den Probesitzungen werde ich dann die geplante Psychotherapie in einem „Bericht an den Gutachter“ begründen und an Ihre Kasse schicken.

Die Behandlung beginnt, wenn Ihre Krankenkasse die Übernahme der Kosten zusichert.

In den meisten Fällen ist der Antrag erfolgreich und es erfolgt eine Bewilligung und eine Übernahme der Kosten durch die Krankenkasse. Nicht alle Kassen machen es einem leicht. Die AOK, TK, DAK und Barmer machen es Ihnen, in der genannten Reihenfolge, diesbezüglich eher schwer. Betriebskrankenkassen oder allgemein kleinere Krankenkassen ermöglichen Kostenerstattung eher schneller.

Warum genau gibt es überhaupt das Kostenerstattungsverfahren?

Durch die Approbation zum Psychologischen Psychotherapeuten hat man als Psychotherapeut von staatlicher Seite die Genehmigung, Patienten zu behandeln. Um die Behandlung über die gesetzlichen Krankenkassen abrechnen zu können, benötigt man jedoch eine Kassenzulassung.

Die Wartezeiten auf eine Kassenzulassung für Psychotherapeuten in Berlin betragen jedoch derzeit ca. 10 Jahre, da die Anzahl an Kassenzulassungen, von staatlicher Seite begrenzt ist. Eine Folge dieser Begrenzung ist, dass es derzeit zu wenige Kassenzulassungen im Vergleich zum Bedarf gibt und somit lange Wartezeiten für Patienten auf einen Behandlungsplatz entstehen. Da diese langen Wartezeiten (bis zu einem Jahr) den Patienten nicht in jedem Fall zumutbar sind, erlaubt der Gesetzgeber das Kostenerstattungsverfahren nach § 13,3 SGB V.

Das Kostenerstattungsverfahren ermöglicht also im Zuge der Unterversorgung durch Psychotherapeuten eine zeitnahe psychotherapeutische Behandlung bei gleicher Qualifikation der Psychotherapeuten, jedoch weicht das Antragsverfahren von der gewohnten Chip-Karten-Praxis ab.